Marc Buttmann aus Neustadt ist einer von fünf Düsseldorfern des Jahres 2015

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Geschrieben von Jürgen Vetter Zugriffe: 2139

Der Kohlemacher ...
Aus Klärschlamm Kohle machen: Das ist möglich, denn der Neustadter Marc Buttmann hat ein entsprechendes Verfahren entwickelt. Zurzeit begleitet er in China, südlich
von Peking in der Stadt Jining, den Bau einer Großanlage.

Kohlemacher Marc Buttmann

Mit seiner Firma „Terra Nova Energy“ hat sich Buttmann vor acht Jahren in Düsseldorf angesiedelt. Jetzt wurde er als „Düsseldorfer des Jahres“ im Bereich Innovation und Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Dieser Preis wurde zumersten Mal in dieser Kategorie vergeben.

„Aus meinen früheren Tätigkeiten kannte ich die Problematik der Klärschlammentsorgung. Eine Kombination von Entsorgung und Kohlegewinnung schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe“, erklärt er. Der 48-jährige Ingenieur der Elektrotechnik hat am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium sein Abitur abgelegt undwar in dieser Zeit erfolgreicher Wasserballer des SC Neustadt. Zu seinen Teamkollegen zählte damals auch der jetzige SCN-Manager Michael Heinz.

Nach dem Abitur ging es zur Sportförderkompanie der Bundeswehr und zu stärkeren Bundesliga-Wasserballteams nach Esslingen und Cannstatt, so dass Buttmann als Studienort Stuttgart wählte. Dem Diplom folgte eine Tätigkeit bei der Stuttgarter Mess- und Reglungstechnikfirma Endress und Hauser. Für das Unternehmen baute er anschließend in Indianapolis und Kalifornien ein neues Geschäftsfeld auf, rückte nach seiner Rückkehr in die Geschäftsführung, Bereich Marketing und Vertrieb.

Dann allerdings verschlug es den Neustadter aus privaten Gründen nach Düsseldorf. „Ein Bericht über die Kohleherstellung und die bekannte Problematik des Klärschlamms brachte mich auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen“, so Buttmann. Vom Bundesforschungsministerium flossen die ersten Fördergelder. 2010 wurde in Kaiserslautern ein Pilotprojekt für den Klärschlamm auf die Beine gestellt.

Seitdem arbeitete Buttmann mit seinem Teaman der Optimierung des Verfahrens. Noch gibt es keine Großaufträge aus Deutschland. Laut Buttmann fehlt den Kommunen der wirtschaftliche Anreiz, das Verfahren einzuführen. „In Deutschland gibt es das Umlageverfahren. Das heißt, die gesamten Kosten der Abwasserentsorgung tragen die Bürger. So hat eine Kommune wirtschaftlich wenig davon, wenn sie das günstigere Verfahren der Entsorgung einführen würde“, bedauert er. Jetzt profitierten allerdings chinesische Unternehmen von dem Know-how, während das Verfahren in Deutschland und Europa noch nicht über die Pilotanlagen hinaus gekommen sei.

Dabei kommen laut Buttmann die Gesamtkosten, also Investitionsvolumen und Betriebskosten, deutlich günstiger als komplizierte Entsorgungstechnologien. Dazu kommt die positive Energiebilanz. Zwar benötige man zunächst auch Energie, um den Klärschlamm entsprechend zu bearbeiten. Doch am Ende komme im Ergebnis eine um 20 bis 70 Prozent bessere Energiebilanz heraus.

Buttmann sagt es zwar zunächst nicht, aber der Sohn des früheren Gimmeldinger Ortsvorstehers und SPD-Politikers Jürgen Buttmann möchte die Welt doch etwas besser
machen. „Meinen Söhnen will ich zeigen, was möglich ist, damit das Leben leichter für die Menschheit wird. Ich möchte die Lebensumstände der Menschen verändern.“ Schließlich sei Klärschlamm auch ein großes gesundheitliches Problem.

2015 erhielt „Terra Nova“ sogar den deutschen Innovationspreis. Düsseldorf, das eher zufällig aus privaten Gründen zu Buttmanns Lebensmittelpunkt wurde, sei für ein Unternehmen mit innovativen Ideen ein idealer Standort. „Neben dem Ruf als Finanzmetropole sind hier die großen Energieversorger zu Hause. Und von der Kommune werden Start-up-Betriebe sehr gut unterstützt“, berichtet Buttmann.

Bei all dem beruflichen Engagement hat Buttmann indes sein regelmäßiges Wasserballtraining vernachlässigt. Heute spielt er „nur noch Beachvolleyball“. Doch wenn das Seniorenteam des SC Neustadt zum alljährlichen Mastersturnier gegen andere Altherren-Mannschaften ruft, will auch er wieder an Bord sein. Die Neustadter „Rieslingbären“, wie sich das SCN-Team nennt, sind für Buttmann immer noch eine wichtige Nabelschnur zur Heimat, ebenso wie seine Eltern in Gimmeldingen.

Quelle: Die Rheinpfalz vom 15.01.2016

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